Direkt zum Hauptinhalt

Was ist KI-Governance? Ein klarer Leitfaden für verantwortungsvolle KI

Was ist KI-Governance?

KI-Governance umfasst die Frameworks, Richtlinien und Prozesse, mit denen Organisationen sicherstellen, dass KI-Systeme über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg verantwortungsvoll entwickelt, bereitgestellt und betrieben werden. Der Begriff bezeichnet sämtliche Kontrollmechanismen, die ethische Anforderungen, regulatorische Compliance, Risikomanagement sowie Verantwortlichkeit für KI-gestützte Entscheidungen und Ergebnisse abdecken.

Da KI-Systeme zunehmend in geschäftliche und gesellschaftliche Abläufe integriert werden, sind belastbare Governance-Praktiken unverzichtbar geworden. Unternehmen stehen unter wachsendem Druck von Regulierungsbehörden, Kunden und Stakeholdern, nachzuweisen, dass ihre KI transparent, fair und sicher arbeitet. Ohne eine strukturierte Governance riskieren Organisationen regulatorische Geldstrafen, algorithmische Voreingenommenheit, Datenschutzverstöße sowie einen Vertrauensverlust bei Stakeholdern und/oder Kunden. Kurz gesagt: Effektive KI-Governance bietet Leitplanken, die Innovationen ermöglichen und gleichzeitig diese Risiken systematisch steuern.

Dieser Leitfaden beleuchtet die zentralen Prinzipien und Frameworks der KI-Governance. Er zeigt auf, wie Organisationen Governance-Strukturen aufbauen und anpassen können, und geht auf die praktischen Herausforderungen bei der Umsetzung von Governance über klassische und generative KI-Systeme hinweg ein.

Ähnliche Themen erkunden

Definition von KI-Governance: Grundprinzipien und Anwendungsbereich

Was versteht man unter KI-Governance?

KI-Governance erstreckt sich über den gesamten KI-Lebenszyklus, von der initialen Entwicklung und dem Training über die Bereitstellung, das Monitoring, die Wartung bis hin zur eventuellen Außerbetriebnahme. Im Gegensatz zur klassischen IT-Governance muss KI-Governance besondere Herausforderungen abdecken, die durch Systeme entstehen, die aus Daten lernen, autonome Entscheidungen treffen und neuartige Outputs generieren.

Im Kern legt die KI-Governance die Verantwortlichkeit für die Entscheidungsprozesse von KI fest. Wenn beispielsweise ein KI-System die Ablehnung eines Kredits empfiehlt, Inhalte zur Entfernung markiert oder Einstellungsentscheidungen beeinflusst, legen Governance-Systeme fest, wer für diese Ergebnisse verantwortlich ist und wie Unternehmen diese Entscheidungen überprüfen, erklären und anfechten können. Kurz gesagt: Dieses Rahmenwerk für Verantwortlichkeit verbindet technische Systeme mit übergeordneten Unternehmensrichtlinien und Geschäftszielen.

KI-Governance befasst sich auch mit größeren gesellschaftlichen Auswirkungen. Systeme, die auf historischen Daten trainiert wurden, können Voreingenommenheit gegenüber geschützten Gruppen weitertragen. Gleichzeitig wirft das Aufkommen von KI-Anwendungen Fragen zur Verdrängung von Arbeitsplätzen, zum Abbau der Privatsphäre und zur zunehmenden Konzentration technologischer Macht auf. Governance-Frameworks sind die Mechanismen, die Organisationen dabei helfen, diese Überlegungen zu steuern, indem sie ethische Überprüfungsprozesse, Mechanismen zur Einbeziehung von Stakeholdern und Protokolle zur Folgenabschätzung in die Workflows für die KI-Entwicklung und -Bereitstellung integrieren.

Eine wirksame Governance verbindet technische Kontrollen (wie Modelltests, Performance Monitoring oder Datenvalidierung) mit Organisationsstrukturen (Aufsichtsgremien, klare Rollendefinitionen, Eskalationsverfahren) und umfassenderen Rechenschaftsmechanismen (Audit-Trails, Dokumentationsstandards, Stakeholder-Transparenz).

Schlüsselkonzepte: Framework, Prinzipien und Säulen

KI-Governance stützt sich auf mehrere Säulen, die gemeinsam eine umfassende Aufsicht ermöglichen. Diese Säulen decken Organisationsstruktur, rechtliche Compliance, ethische Anforderungen, technische Infrastruktur und Sicherheit über den gesamten KI-Lebenszyklus hinweg ab.

Die KI-Prinzipien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bieten einen grundlegenden Rahmen, der von 47 Ländern anerkannt wird. Diese Prinzipien, die 2019 festgelegt und 2024 aktualisiert wurden, legen Werte fest, die KI-Systeme einhalten müssen, einschließlich Inklusivität, Nachhaltigkeit und der Förderung des menschlichen Wohlergehens unter Achtung der Menschenrechte, demokratischer Werte und der Rechtsstaatlichkeit. Das Framework umfasst auch weitere Schlüsselprinzipien wie Transparenz und Erklärbarkeit, Robustheit und Sicherheit sowie Rechenschaftspflicht. Das Ziel der OECD war es, Organisationen Leitlinien für die Entwicklung ihrer eigenen Governance-Strukturen an die Hand zu geben. Heute folgen über 1.000 KI-politische Initiativen in mehr als 70 Rechtsordnungen diesen Prinzipien.

So wichtig und wegweisend die OECD-Prinzipien auch sind, existieren darüber hinaus weitere ethische Leitlinien, die Governance-Strukturen prägen, darunter:

  • Humanzentrierung: Dabei stehen das Wohlbefinden und die Würde des Menschen im Mittelpunkt des KI-Designs.
  • Fairness: Erfordert die proaktive Identifizierung und Minderung von Voreingenommenheit.
  • Inklusivität: Stellt sicher, dass KI-Systeme diversen Bevölkerungsgruppen gerecht werden.

Die Gesamtheit dieser Prinzipien bildet einen theoretischen/konzeptionellen Rahmen, auf dem eine konkrete KI-Governance aufgebaut werden kann. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Beziehung zwischen KI-Governance-Frameworks, verantwortungsvollen KI-Praktiken und ethischen Überlegungen einer klaren Hierarchie folgt. Zum Beispiel liefern ethische Prinzipien die grundlegenden Werte, Responsible-AI-Praktiken übersetzen diese in technische und operative Best Practices. Governance-Frameworks schaffen schließlich die organisatorischen Strukturen, Richtlinien und Durchsetzungsmechanismen, die sicherstellen, dass diese Praktiken konsistent eingehalten werden.

Es ist wichtig, den Unterschied zwischen Prinzipien und Frameworks zu verstehen. Prinzipien sind leitende Werte; das sind Aussagen darüber, was wichtig ist und warum. Frameworks sind operative Strukturen. Denken Sie dabei an Richtlinien, Prozesse, Rollen und Kontrollpunkte, die Prinzipien in die Praxis überführen. Zum Beispiel ist „Fairness“ ein Prinzip; das Governance-Framework drückt dieses Prinzip durch ein Protokoll zur Prüfung von Verzerrungen und Voreingenommenheit (Bias) mit definierten Metriken, Überprüfungszyklen und Korrekturverfahren aus.

Wesentliche Frameworks für die KI-Governance

Überblick über führende KI-Governance-Frameworks

Es gibt mehrere etablierte Frameworks, die als Ausgangspunkte für Organisationen dienen, die Governance-Programme aufbauen. Obwohl sie in ihren Zielen ähnlich sind, bietet jedes Framework unterschiedliche Schwerpunkte und Ansätze, die auf verschiedene Organisationstypen und regulatorische Umgebungen zugeschnitten sind.

  1. Die KI-Prinzipien der OECD betonen fünf Kernwerte: inklusives Wachstum, nachhaltige Entwicklung, Wohlergehen, Transparenz, Robustheit, Sicherheit und Rechenschaftspflicht. Diese Prinzipien prägen weltweit regulatorische Ansätze und bieten ein wertebasiertes Fundament, das Organisationen übernehmen können. Entscheidend ist: Die Prinzipien sind nicht bindend. Dadurch können Regierungen und Organisationen sie im eigenen Kontext umsetzen und sich dennoch an einem übergeordneten globalen Standard orientieren.
  2. Das KI-Verordnung der EU (EU AI Act) verfolgt einen risikobasierten Regulierungsansatz. Sie klassifiziert KI-Systeme nach ihrem potenziellen Einfluss und unterscheidet vier Risikostufen:

    a. Unzulässiges Risiko: Verbotene Systeme wie Social Scoring

    b. Hohes Risiko: Dazu zählen Systeme in kritischer Infrastruktur, Beschäftigung und Strafverfolgung. Für diese gelten strenge Anforderungen an Data Governance, Dokumentation, Transparenz, menschliche Aufsicht und Genauigkeit.

    c. Begrenztes Risiko: Erfordert Transparenz

    d. Minimales Risiko: Nicht reguliert

  3. Das NIST KI Risk Management Framework bietet einen strukturierten Ansatz für das Management von KI-Risiken über den gesamten Lebenszyklus hinweg. Das Framework gliedert die Aktivitäten in vier Funktionen: Govern, Map, Measure und Manage. Das Framework wurde in Zusammenarbeit mit mehr als 240 Organisationen aus der Privatwirtschaft, der Wissenschaft, der Zivilgesellschaft und von Regierungsbehörden entwickelt und ist besonders nützlich für Organisationen, die einen risikoorientierten Ansatz suchen, der sich in bestehende Prozesse des unternehmensweiten Risikomanagements integrieren lässt. NIST hat das Framework bewusst als freiwillig, rechtewahrend, branchenunabhängig und Use-Case-agnostisch konzipiert.
  4. ISO/IEC 42001 bietet technische Spezifikationen für KI-Managementsysteme mit Fokus auf Qualität, Vertrauenswürdigkeit und Lebenszyklusmanagement. Als weltweit erster zertifizierbarer Standard für KI-Managementsysteme legt der Standard Anforderungen für die Einrichtung, Implementierung, Aufrechterhaltung und kontinuierliche Verbesserung eines KI-Managementsystems innerhalb von Organisationen fest.

Zusätzlich zu diesen übergreifenden KI-Frameworks entwickeln auch einzelne Organisationen umfassende interne Frameworks, die Governance-Herausforderungen über den gesamten KI-Lebenszyklus hinweg adressieren. Auch wenn sie sich an übergeordneten Prinzipien orientieren, sollte jedes Framework die Komplexität und Strenge der Governance mit der KI-Reife, der Risikobelastung und den regulatorischen Pflichten einer Organisation in Einklang bringen. Governance ist damit immer eine maßgeschneiderte Lösung. Ein Start-up, das einen einzelnen, kundenorientierten Chatbot entwickelt, benötigt andere Governance-Strukturen als ein weltweit tätiges Finanzinstitut, das Hunderte KI-Modelle für Risikobewertung, Trading und Kundenservice einsetzt. Um diese übergreifenden Governance-Herausforderungen zu adressieren, hat Databricks beispielsweise ein Framework entwickelt, das Organisationsstruktur, rechtliche Compliance, ethische Aufsicht, Data Governance und Security in einem einheitlichen Ansatz zusammenführt.

Aufbau und Anpassung eines Governance-Frameworks

Der Vorteil der führenden KI-Governance-Frameworks besteht darin, dass Organisationen bestehende Ansätze bewerten und auf ihre spezifischen Anforderungen anpassen können, statt bei null zu beginnen. Neben der Zeitersparnis profitieren sie so von Best Practices und stellen die Ausrichtung an international anerkannten Standards sicher.

  1. Bewertung: Starten Sie mit der Bewertung des KI-Reifegrades und der Use Cases Ihres Unternehmens. Katalogisieren Sie bestehende und geplante KI-Initiativen und bewerten Sie geschäftliche Auswirkungen, technische Komplexität und Risikoprofil. Ein Unternehmen, das KI beispielsweise hauptsächlich für interne Produktivitätstools einsetzt, hat andere Governance-Anforderungen als eines, das KI für Kreditentscheidungen mit Kundenkontakt oder für medizinische Diagnosen einsetzt.
  2. Regulatorische Anforderungen: Als Nächstes identifizieren Sie relevante regulatorische Anforderungen und Branchenstandards. Organisationen im Gesundheitswesen müssen die HIPAA-Anforderungen erfüllen, während Finanzdienstleistungsunternehmen Gesetze zur fairen Kreditvergabe und Antidiskriminierungsvorschriften beachten müssen. Wenn ein Unternehmen in mehreren Ländern tätig ist, muss es sich mit unterschiedlichen Datenschutzgesetzen, KI-spezifischen Vorschriften und grenzüberschreitenden Datenübertragungsbeschränkungen auseinandersetzen.
  3. Risikotoleranz und Governance-Prioritäten festlegen: Diese variieren je nach Unternehmenskultur, Erwartungen der Stakeholder und Geschäftszielen. Einige Organisationen priorisieren die schnelle Markteinführung und akzeptieren möglicherweise ein höheres Risiko mit einer weniger strengen Governance für Anwendungen mit geringen Auswirkungen. Andere, insbesondere in stark regulierten Branchen oder solche mit stark ausgeprägtem ethischem Engagement, können auch für Anwendungen mit moderatem Risiko eine rigorose Governance implementieren.
  4. Bewertung von Ressourcen und Organisationsstruktur: Governance erfordert dedizierte Rollen, funktionsübergreifende Zusammenarbeit, eine technische Infrastruktur für Monitoring und Dokumentation sowie die Unterstützung durch die Führungskraft. Organisationen sollten Governance-Frameworks entwerfen, die sie mit ihren Ressourcen und ihrer Struktur tatsächlich implementieren und aufrechterhalten können.
  5. Auswahl von Basis-Frameworks: Statt ein einzelnes Framework vollständig zu übernehmen, kombinieren viele Organisationen Elemente aus mehreren Frameworks. Beispielsweise könnte eine Organisation die OECD-Grundsätze als ethische Grundlage übernehmen, die Risikomanagementstruktur von NIST für operative Prozesse nutzen und die Anforderungen der EU-KI-Verordnung bei Systemen berücksichtigen, die für den europäischen Markt gedacht sind.
  6. Anpassung bestehender Frameworks: Sobald Sie ein Basis-Framework ausgewählt haben, passen Sie die Anforderungen an Ihre KI-Anwendungen und Ihr Risikoprofil an. Mit anderen Worten: Ein Framework, das für die Sicherheit autonomer Fahrzeuge entwickelt wurde, kann für eine Marketing-Empfehlungs-Engine überdimensioniert sein. Umgekehrt reicht ein Ansatz für einfache ML-Modelle möglicherweise nicht aus, wenn Large Language Models mit breiten Fähigkeiten eingesetzt werden. Hier können Stakeholder die Frameworks an ihre Bedürfnisse anpassen.
  7. Sicherstellung von funktionsübergreifendem Input: Binden Sie Rechts-, Technik-, Wirtschafts- und Ethik-Stakeholder in die gesamte Entwicklung des Frameworks ein. Jedes Team bringt seine eigene Fachexpertise ein: technische Teams verstehen die Fähigkeiten und Grenzen von Modellen, Rechtsteams erkennen Compliance-Verpflichtungen, Unternehmensleiter können Risikotoleranz und strategische Prioritäten formulieren und Ethik-Experten helfen bei der Navigation komplexer Wertekonflikte.
  8. Gewährleistung von Umsetzbarkeit, Messbarkeit und Skalierbarkeit des Frameworks: Indem Sie von Anfang an klare Verfahren, Entscheidungskriterien und Erfolgsmetriken definieren, legen Sie den Grundstein für eine erfolgreiche Governance. Die Governance sollte festlegen, wer welche Arten von KI-Initiativen genehmigt, welche Dokumentation erforderlich ist, welche Tests vor der Bereitstellung stattfinden müssen und wie das laufende Monitoring erfolgt. Frameworks, die nur als übergeordnete Prinzipien ohne klare operative Verfahren existieren, werden selten konsistent umgesetzt.

Ethik, Menschenrechte und verantwortungsbewusste KI

Der Unterschied zwischen verantwortungsvoller KI und KI-Governance

„Verantwortungsvolle KI“ und „KI-Governance“ können oft synonym verwendet werden. Es handelt sich zwar um unterschiedliche Konzepte, sie greifen jedoch ineinander, um sicherzustellen, dass KI-Systeme ethisch und sicher betrieben werden.

Verantwortungsvolle KI bezeichnet Prinzipien, Werte und Best Practices für die ethische Entwicklung und den Einsatz von KI. Für die Umsetzung bedeutet das, sich zu Fairness, Transparenz, Rechenschaftspflicht, Datenschutz und menschlichem Wohlbefinden zu bekennen. Verantwortungsvolle KI bildet damit vor allem das theoretische Fundament, das die ethischen Standards und Werte verankert, an denen sich KI-Arbeit orientiert.

KI-Governance hingegen bezieht sich auf die Organisationsstrukturen, Prozesse, Richtlinien und Durchsetzungsmechanismen, die sicherstellen, dass die Grundsätze der verantwortungsvollen KI auch tatsächlich befolgt werden. Wenn Responsible AI die Theorie ist, dann beschreibt Governance die Praxis: wie Organisationen diese Prinzipien über alle KI-Initiativen hinweg systematisch umsetzen, prüfen und dauerhaft aufrechterhalten. Governance-Frameworks müssen sowohl freiwillige ethische Selbstverpflichtungen als auch verbindliche regulatorische Anforderungen berücksichtigen.

Regulatorische Kontexte veranschaulichen diese Beziehung, da Gesetze und Vorschriften ethische Expectations zunehmend in spezifische Compliance-Anforderungen kodifizieren. Die KI-Verordnung der EU beispielsweise überführt ethische Grundsätze wie Transparenz und Fairness in spezifische rechtliche Verpflichtungen, die Unternehmen befolgen müssen, und sieht zudem Sanktionen vor, wenn sie davon abweichen.

Ein weiterer Berührungspunkt zeigt sich in der täglichen Governance-Praxis. Wenn beispielsweise eine KI-Ethikkommission den geplanten Einsatz von Gesichtserkennung, bewertet es anhand ethischer Prinzipien wie Datenschutz, Einwilligung und möglicher diskriminierender Auswirkungen. Diese Prinzipien werden dann in Governance-Prozessen konkret umgesetzt, etwa durch Impact Assessments, Stakeholder-Konsultationen und formale Freigabeanforderungen. Die Prinzipien liefern den Wertekompass, Governance schafft die operative Struktur, um diese Werte konsistent anzuwenden.

Operationalisierung ethischer Prinzipien

Die Überführung abstrakter ethischer Standards in konkrete Governance-Richtlinien ist anspruchsvoll und erfordert systematische Ansätze sowie klare Umsetzungsmechanismen. Einige der gängigen Ansätze sind:

  • Modellkarten: Sie bieten eine standardisierte Dokumentation, in der die beabsichtigte Verwendung, die Einschränkungen, die Performancemerkmale und die ethischen Erwägungen eines Modells erläutert werden. Das trägt dazu bei, Transparenz zu einem konkreten Feature und nicht nur zu einem angestrebten Ziel zu machen.
  • Bias-Audits: Durch den Einsatz quantitativer Tests zur Messung der Fairness über verschiedene demografische Gruppen hinweg setzt dieser Prozess Fairness-Prinzipien in messbare Ergebnisse mit definierten Thresholds für eine akzeptable Performance um.
  • Validierung durch Stakeholder: Dieser Prozess bezieht während der Entwicklung den Input verschiedener Stakeholder mit ein, um sicherzustellen, dass vielfältige Perspektiven in die Designentscheidungen einfließen.
  • Risikobewertungssysteme: Sie bewerten Faktoren wie den Bedarf an menschlicher Kontrolle, die Intensität des Monitorings und Anforderungen an Notfall- und Eskalationspläne. Der Zweck von Risikobewertungssystemen besteht darin, die Strenge der Governance an die tatsächlichen Risikostufen anzupassen.
  • Ethik-Prüfungsausschüsse: Zur Schaffung klarer Eskalationspfade können funktionsübergreifend besetzte Ethikgremien eingerichtet werden, die Hochrisiko-Initiativen vor der Freigabe anhand definierter ethischer Kriterien bewerten.
  • Kontinuierliches Monitoring: Unabhängig davon, wie sorgfältig ein Governance-Prozess gestaltet ist, bleibt es entscheidend, Modellperformance fortlaufend zu überwachen, Drift zu erkennen und Anomalien in Echtzeit zu identifizieren. Automatisierte Tools unterstützen Organisationen dabei, diese Prüfungen als systematische Praxis zu etablieren.

Über diese allgemeineren Ansätze zur Operationalisierung von Ethik hinaus gibt es auch spezifische Mechanismen, die sich mit einzelnen ethischen Grundsätzen befassen:

  1. Erklärbarkeit: Anforderungen an Erklärbarkeit werden in Dokumentationsstandards, Model Cards zur Beschreibung von Fähigkeiten und Grenzen von Systemen sowie in Audit-Trails übersetzt, die nachvollziehbar machen, wie Entscheidungen zustande kommen. Organisationen können etwa vorschreiben, dass alle KI-Systeme mit hohem Einfluss Erklärungen für einzelne Entscheidungen liefern müssen, wobei der Detaillierungsgrad an die Tragweite der jeweiligen Entscheidung angepasst wird.
  2. Datenschutz: Datenschutzmaßnahmen werden durch Praktiken der Datenminimierung, Consent-Management-Systeme, DSGVO-Compliance-Prozesse, Differential-Privacy-Verfahren und Zugriffskontrollen operativ umgesetzt. Governance-Richtlinien legen fest, welche Daten für das Training von KI verwendet werden dürfen, wie lange sie gespeichert werden können und welche Schutzmaßnahmen verpflichtend sind.
  3. Fairness: Fairness-Prinzipien werden über Bias-Testprotokolle operationalisiert, die in mehreren Phasen des Lebenszyklus durchgeführt werden. Hinzu kommen Anforderungen an diverse und repräsentative Trainingsdaten, anwendungsspezifisch definierte Fairness-Metriken sowie Korrekturmaßnahmen für den Fall erkannter Verzerrungen. Organisationen müssen für unterschiedliche Use Cases festlegen, was einen inakzeptablen Bias darstellt und welche Maßnahmen erforderlich sind, wenn bei Tests Probleme aufgedeckt werden.
  4. Sicherheit: Sicherheitsmaßnahmen erfolgen in der Regel vor der Bereitstellung und umfassen Testverfahren, die das Systemverhalten unter verschiedenen Bedingungen prüfen, sowie Incident-Response-Pläne für unerwartetes Verhalten. Ergänzend können Rollback-Mechanismen vorgesehen werden, mit denen Systeme bei Problemen schnell deaktiviert werden können.
  5. Aufbau von Ethik-Review-Prozessen: Viele Organisationen etablieren KI-Ethikgremien mit Vertretern aus unterschiedlichen Funktionen und mit verschiedenen Hintergründen, um systemische Fragestellungen zu adressieren. Diese Gremien prüfen Hochrisiko-Initiativen, bewerten ethische Auswirkungen, empfehlen Anpassungen und genehmigen oder lehnen den Einsatz ab. Klare Prozesse helfen dabei festzulegen, was eine Ethik-Prüfung auslöst, welche Informationen bereitgestellt werden müssen und wie Entscheidungen getroffen und dokumentiert werden.
  6. Menschenrechtliche Aspekte: Für einen verantwortungsvollen Einsatz ist es essenziell zu verstehen, wie KI-Systeme grundlegende Rechte wie Datenschutz, Meinungsfreiheit oder rechtsstaatliche Verfahren beeinflussen können.. Governance-Frameworks sollten Menschenrechts-Folgenabschätzungen für Systeme beinhalten, die diese Rechte beeinträchtigen könnten, mit besonderem Augenmerk auf schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen.
  7. Rechenschaftsmechanismen: Die Schaffung von Rechenschaftsmechanismen befasst sich damit, was passiert, wenn ethische Standards verletzt oder unterlaufen werden. Dazu zählen Meldeverfahren für Vorfälle, Untersuchungsprozesse, Vorgaben zur Behebung von Problemen sowie Konsequenzen bei Verstößen. Rechenschaftsmechanismen stellen sicher, dass Verstöße gegen Governance-Regeln nicht folgenlos bleiben.

Implementierung: Von Frameworks zur gelebten Governance

Wer sollte die Führung übernehmen und wie baut man eine KI-Governance auf?

Eine effektive KI-Governance erfordert eine klare Führung, definierte Rollen und die Integration in bestehende Organisationsstrukturen. Aber wer genau sollte diese Bemühungen leiten und wie sollten Organisationen ihren Ansatz strukturieren? Im Folgenden werden einige umfassendere Fragen und Konstrukte vorgestellt, die eine Organisation zur Gestaltung ihrer Governance verwenden kann.

Governance-Ansätze: Zentralisiert, verteilt oder hybrid. Organisationen können ihre Governance je nach ihrer Größe, Kultur und ihren Bedürfnissen unterschiedlich strukturieren. Beispielsweise konzentriert eine zentralisierte Governance die Entscheidungsbefugnis in einem zentralen KI-Governance-Büro oder -Ausschuss. Das sorgt für Konsistenz in der gesamten Organisation, kann aber auch zu Engpässen führen. Verteilte Governance hingegen überträgt die Befugnis an Geschäftseinheiten oder Produktteams, was schnellere Entscheidungen ermöglicht, aber die Gefahr von Inkonsistenzen birgt. Hybride Modelle versuchen, diese Kompromisse auszugleichen, indem sie zentralisierte Standards festlegen und gleichzeitig Entscheidungen an Teams delegieren, die näher an der eigentlichen Arbeit sind.

Zentrale Rollen: Mehrere Schlüsselrollen tragen Führung und Expertise in der KI-Governance. Ein Chief AI Officer übernimmt in der Regel die strategische Verantwortung und fungiert als Executive Sponsor für KI und Governance. Gleichzeitig bringt ein KI-Ethikrat unterschiedliche Perspektiven ein, um risikoreiche Initiativen und ethische Dilemmata zu überprüfen. Governance-Ausschüsse entwickeln Richtlinien, prüfen die Compliance und lösen eskalierte Probleme. Und interdisziplinäre Teams, wie z. B. aus den Bereichen Data Science, Engineering, Recht, Compliance und Business, können bei der täglichen Umsetzung zusammenarbeiten.

Integration in bestehende Prozesse: Statt Governance als isolierte Funktion aufzubauen, sollten Organisationen die KI-Governance mit bestehenden Compliance-Programmen, Risikomanagement-Frameworks und IT-Governance-Prozessen verzahnen. Diese Integration nutzt vorhandene Expertise und vermeidet Doppelarbeit innerhalb einer Organisation. Dadurch wird die KI-Governance neben anderen Risiko- und Compliance-Prioritäten aufgewertet.

Funktionsübergreifende Kontrollmechanismen: Um Governance-Anforderungen in die betriebliche Realität umzusetzen, benötigen Organisationen regelmäßige Touchpoints und Prozesse. Regelmäßige Governance-Überprüfungen prüfen laufende Compliance, bewerten neue Initiativen und adressieren neue Herausforderungen. Durch die Einbindung von Stakeholdern können Führungskräfte den Input von internen Teams, externen Experten und betroffenen Communities berücksichtigen. Audit- und Compliance-Checkpoints überprüfen die Einhaltung definierter Vorgaben. Regelmäßige Review-Zyklen ermöglichen es, Governance-Strukturen an neue KI-Fähigkeiten und sich wandelnde Anforderungen anzupassen.

Aufbau skalierbarer Prozesse: Wenn Organisationen von einer Handvoll KI-Modelle auf Dutzende oder Hunderte umsteigen, stoßen manuelle Prüfprozesse schnell an ihre Grenzen. Skalierbare Governance setzt daher auf Automatisierung, standardisierte Vorlagen und Checklisten, abgestufte Prüfverfahren entsprechend dem Risikoniveau sowie Self-Service-Angebote. So können Teams Governance-Anforderungen eigenständig erfüllen, ohne für jeden Schritt ein Gremium einbinden zu müssen.

  • Ansätze zur Organisation interner Führungsstrukturen (zentral vs. dezentral)
  • Zentrale Rollen: Chief AI Officer, KI-Ethikrat, Governance-Ausschüsse, interdisziplinäre Teams
  • Integration der KI-Governance in bestehende Compliance-, Risikomanagement- und IT-Governance-Prozesse
  • Schlagen Sie Mechanismen zur Integration der funktionsübergreifenden Steuerung vor:
    • Regelmäßige Meetings zur Überprüfung der Governance
    • Prozesse zur Einbindung von Stakeholdern (interne Teams, externe Experten, betroffene Communities)
    • Audit- und Compliance-Prüfpunkte
    • Regelmäßige Review-Zyklen zur Anpassung der Governance an sich weiterentwickelnde KI-Fähigkeiten
  • Aufbau interner Prozesse, die mit der Einführung von KI im gesamten Unternehmen skalieren

Praktische Fähigkeiten und neue Berufsfelder in der KI-Governance

Erforderliche Fähigkeiten und Karrierewege

Die beste KI-Governance erfordert eine Mischung aus technischem Know-how, ethischem Urteilungsvermögen, rechtlicher Expertise und organisatorischen Fähigkeiten. Diese einzigartige Kombination von Kompetenzen schafft neue Karrierewege für Fachleute, die eine Brücke zwischen technischen und politischen Bereichen schlagen können.

Technische Kompetenzen: Governance-Verantwortliche müssen KI- und Machine-Learning-Systeme gut genug verstehen, um Risiken zu bewerten und Kontrollen zu prüfen, auch wenn sie selbst keine Modelle entwickeln. Dazu zählen Fähigkeiten zur Beurteilung der Datenqualität, zur Bewertung von Algorithmen sowie Vertrautheit mit Ansätzen für Modell-Monitoring. Darüber hinaus verschafft technisches Verständnis den Governance-Fachleuten wichtige Glaubwürdigkeit bei Data-Science-Teams, sodass sie bei Reviews die richtigen Fragen stellen können.

Ethisches und rechtliches Wissen: Diese Kompetenz ist entscheidend, um die komplexen Wertabwägungen in der KI-Governance zu navigieren. Fachkräfte müssen Ethik-Frameworks für KI verstehen, mit regulatorischen Anforderungen in den relevanten Jurisdiktionen sowie Methoden der Risikobewertung vertraut sein und einschätzen können, wie KI-Systeme Einzelpersonen und Communities beeinflussen. Kurz gesagt: Erforderlich sind sowohl ein Verständnis der philosophischen Grundlagen ethischer KI als auch der praktischen rechtlichen Pflichten, denen Organisationen unterliegen.

Organisatorische Fähigkeiten: Starke organisatorische Fähigkeiten helfen Governance-Experten, Frameworks effektiv zu etablieren. Fähigkeiten zur Richtlinienentwicklung können Grundsätze in klare, umsetzbare Verfahren übersetzen, während Stakeholder-Management-Kompetenzen entscheidend sind, um die Zusammenarbeit zwischen technischen, geschäftlichen und rechtlichen Funktionen mit unterschiedlichen Prioritäten und Perspektiven zu erleichtern. Zusätzliche Fähigkeiten in der funktionsübergreifenden Zusammenarbeit und im Change Management können dazu beitragen, eine produktive Zusammenarbeit mit verschiedenen Teams zu unterstützen und gleichzeitig den Übergang zur Einführung neuer Governance-Praktiken zu erleichtern.

Neue Karrierewege: Die wachsende Nachfrage nach Expertise im Bereich KI-Governance führt zu einem wachsenden Berufsfeld.

  • Spezialisten für KI-Governance: Verantwortlich für Design, Implementierung und Betrieb von Governance-Frameworks.
  • KI-Ethikbeauftragte: Zuständig für ethische Leitlinien und die Steuerung von Ethik-Review-Prozessen.
  • KI-Risikomanager: Fokussiert auf Identifikation, Bewertung und Minderung KI-bezogener Risiken.
  • KI-Richtlinienanalysten: Beobachten regulatorische Entwicklungen und stellen die Compliance der Organisation sicher.

Ressourcen für den Kompetenzaufbau: Professionelle Zertifizierungen in den Bereichen KI-Governance, Ethik und Risikomanagement bieten strukturierte Lernpfade. Die Mitarbeit an Branchengruppen und Fachverbänden rund um verantwortungsvolle KI bietet Networking-Möglichkeiten und Wissensaustausch. Gleichzeitig bauen Upskilling-Programme und Weiterbildungsangebote von Universitäten und Fachorganisationen grundlegende Fähigkeiten in diesem Bereich auf. Der vielleicht wichtigste Erfolgsfaktor ist jedoch der Aufbau praktischer Erfahrung durch funktionsübergreifende Projekte, in denen KI-Governance konkret umgesetzt wird.

Anpassung der Governance an generative und Next-Gen-KI

Generative KI und Herausforderungen für die Governance

Generative KI-Systeme, insbesondere große Sprachmodelle und Foundation-Modelle. bringen Governance-Herausforderungen mit sich, die sich von denen traditioneller Systeme für Machine Learning unterscheiden. Daher müssen Organisationen ihre Governance-Frameworks anpassen, um diesen einzigartigen Merkmalen Rechnung zu tragen. Zu den größten Herausforderungen, denen sie sich stellen müssen, gehören:

Halluzinationen und sachliche Richtigkeit: Im Gegensatz zu herkömmlichen KI-Systemen mit einem vorhersehbareren Verhalten können generative KI-Modelle selbstbewusst klingende, aber falsche Informationen erzeugen. Die Forschung hat gezeigt, dass Halluzinationen nicht vollständig beseitigt werden können; sie sind ein inhärentes Merkmal der Art und Weise, wie große Sprachmodelle Text generieren. Das bedeutet, dass Governance-Frameworks festlegen müssen, wie Organisationen die Genauigkeit für unterschiedliche Use Cases verifizieren, welche Haftungsausschlüsse erforderlich sind und wann vor der Nutzung KI-generierter Inhalte eine menschliche Prüfung notwendig ist. Techniken wie die Retrieval-Augmented Generation können Halluzinationen reduzieren, indem sie faktenbasierten Kontext bereitstellen. Sie können jedoch nicht vollständig verhindern, dass Modelle Fehler erzeugen.

Bedenken hinsichtlich Urheberrecht und geistigem Eigentum: Diese sind ein ständiges Anliegen und ergeben sich in der Regel daraus, wie Modelle trainiert werden und wie sie Inhalte generieren. Das Training mit urheberrechtlich geschützten Materialien wirft rechtliche Fragen auf, die derzeit noch vor Gerichten geklärt werden. Hinzu kommt, dass Drittanbieterdaten und externe Modelle häufig weder Originalquellen noch die Absichten der Urheber verlässlich authentifizieren. Dadurch wird es schwierig, die tatsächliche Herkunft der Inhalte eindeutig nachzuvollziehen. Governance-Richtlinien müssen regeln, welche Trainingsdaten zulässig sind, wie Quellen zu dokumentieren sind und welche Offenlegung bei der Verwendung von KI-generierten Inhalten erforderlich ist.

Anforderungen an Datenherkunft und Transparenz: Diese werden bei Foundation Models, die auf riesigen Datasets trainiert werden, komplexer. Organisationen müssen verstehen, mit welchen Daten ihre Modelle trainiert wurden, aber Foundation Models legen möglicherweise die Details der Trainingsdaten nicht offen. Governance-Frameworks sollten festlegen, welche Dokumentation beim Einsatz von Third-Party-Modellen erforderlich ist und welche Due-Diligence-Prüfungen durchgeführt werden müssen.

Authentizität und Offenlegung von Inhalten: Regeln, wann und wie Organisationen offenlegen müssen, dass Inhalte KI-generiert wurden. Unterschiedliche Kontexte – wie politische Kommunikation oder wissenschaftliche Arbeiten – haben unterschiedliche Anforderungen. Governance-Richtlinien sollten die Offenlegungsanforderungen für jeden ihrer unterschiedlichen Anwendungsfälle klar festlegen.

Herausforderungen in puncto Rechenschaftspflicht: Diese entstehen durch die breiten Fähigkeiten und vielfältigen Einsatzmöglichkeiten von LLMs und Foundation Models. Ein Foundation Model kann für Dutzende verschiedener Zwecke in einer Organisation verwendet werden, von denen jeder ein anderes Risikoprofil aufweist. Die Governance muss festlegen, wer rechenschaftspflichtig ist, wenn beispielsweise dasselbe Modell in einer Anwendung nützliche Ergebnisse und in einer anderen problematische Ergebnisse liefert.

Transparenzanforderungen: Bei generativer KI sollten Organisationen die Merkmale der Trainingsdaten, die Fähigkeiten und Grenzen des Modells, bekannte Fehlermodi und Risiken sowie beabsichtigte und untersagte Use Cases dokumentieren. Diese Dokumentation unterstützt die interne Governance und die externe Transparenz.

Überlegungen zum Datenschutz: Diese ergeben sich daraus, wie generative Modelle Informationen in Prompts und Ausgaben verarbeiten. Benutzer könnten versehentlich sensible Informationen in Prompts eingeben und Modelle laufen Gefahr, private Informationen aus Trainingsdaten zu reproduzieren. Governance-Frameworks sollten Richtlinien zum Umgang mit Daten für Prompts und Vervollständigungen, technische Kontrollen zur Verhinderung der Offenlegung sensibler Daten und die Aufklärung der Benutzer über Datenschutzrisiken umfassen.

Herausforderungen für die Governance in der Praxis: KI-Governance steht vor komplexen praktischen Herausforderungen. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, dass jedes Framework über eine klare Zuweisung von Verantwortlichkeiten und Verfahren zur Risikobewertung verfügt. Betrachten wir zum Beispiel einen Kundenservice-Chatbot, der medizinische Ratschläge gibt, für die er nicht konzipiert wurde. Wer ist in diesem Szenario verantwortlich? Ist es der Modellentwickler, das Unternehmen, das ihn anwendet, oder das Business-Team, das ihn konfiguriert hat? Wenn ein Tool zur Code-Generierung urheberrechtlich geschützten Code reproduziert, mit welcher Haftung ist das Unternehmen konfrontiert? Zu wissen, wo die Verantwortlichkeiten liegen, kann eine schnellere Problemlösung erleichtern.

Adaptive Frameworks: Angesichts der Geschwindigkeit des Wandels im Bereich der KI muss sich die Governance weiterentwickeln, um Schritt zu halten. Organisationen sollten regelmäßige Governance-Reviews implementieren, die durch Trigger ausgelöst werden, und Prozesse überwachen, die neue Nutzungsmuster oder Risiken erkennen. Ergänzend sollten robuste Feedback-Mechanismen etabliert werden, die Rückmeldungen von Nutzenden und betroffenen Gruppen erfassen, sowie Prozesse zur Aktualisierung von Verfahren, damit die Governance mit der technologischen Weiterentwicklung Schritt hält.

Fazit

KI-Governance ist ein kontinuierlicher, iterativer Prozess, der sich parallel zur KI-Technologie, den regulatorischen Anforderungen und den organisatorischen Fähigkeiten weiterentwickeln muss. Eine effektive Governance basiert auf klaren Frameworks, die ethische Prinzipien in umsetzbare Richtlinien übersetzen, auf einer umfassenden Aufsicht, die Innovation und Risikomanagement in Einklang bringt, sowie auf einem organisatorischen Engagement, das von der Führungsebene bis in die technischen Teams reicht.

Organisationen, die in eine strukturierte KI-Governance investieren, verschaffen sich Wettbewerbsvorteile. Sie können KI sicher ausrollen, da systematische Prozesse zur Risikoerkennung und -minimierung etabliert sind. Durch Transparenz und Rechenschaftspflicht schaffen sie Vertrauen bei Kunden, Regulierungsbehörden und Stakeholdern. Sie reduzieren rechtliche und rufschädigende Risiken, indem sie Compliance- und ethische Erwägungen proaktiv statt reaktiv angehen.

Da KI-Systeme immer leistungsfähiger und tiefer in Wirtschaft und Gesellschaft integriert werden, wird Governance von optional zu unerlässlich. Die Frameworks, Prozesse und die Expertise, die Unternehmen heute aufbauen, bestimmen darüber, wie gut sie die Vorteile von KI nutzen können, ohne ihre Risiken aus dem Blick zu verlieren.

    Zurück zum Glossar