Die klassische Definition des digitalen Zwillings lautet: „Ein digitaler Zwilling ist ein virtuelles Modell, das ein physisches Objekt präzise wiedergibt.“ – IBM[KVK4] Ein digitaler Zwilling erfasst mithilfe verschiedener IoT-Sensoren (operative Technologiedaten (OT)) und Unternehmensdaten (Informationstechnologie (IT)) System- und Prozesszustandsdaten für einen diskreten oder kontinuierlichen Fertigungsprozess. Damit wird ein virtuelles Modell erstellt, das anschließend zur Durchführung von Simulationen, zur Untersuchung von Leistungsaspekten und zur Gewinnung möglicher Erkenntnisse verwendet wird.
Das Konzept des digitalen Zwillings ist nichts Neues. Berichten zufolge wurde die erste Anwendung vor über 25 Jahren in den frühen Phasen des Fundament- und Kofferdammbaus für die Londoner Heathrow Express-Einrichtungen zur Überwachung und Vorhersage der Verpressung von Fundamentbohrungen eingesetzt. In den Jahren seit dieser ersten Anwendung haben Edge Computing, KI, Datenkonnektivität, 5G-Konnektivität und die Verbesserungen durch das Internet der Dinge (IoT) dafür gesorgt, dass digitale Zwillinge kosteneffektiv geworden und aus modernen datengesteuerten Unternehmen nicht mehr wegzudenken sind.
Digitale Zwillinge sind in der Fertigungsindustrie mittlerweile so präsent, dass der globale Branchenmarkt Prognosen zufolge im Jahr 2026 ein Volumen von 48 Mrd. US-Dollar erreichen wird. Diese Zahl wird – getrieben von den Erfolgen der Industrie 4.0 – von 3,1 Mrd. Dollar im Jahr 2020 mit einer Wachstumsrate von jährlich sage und schreibe 58 % steigen.
Von der verarbeitenden Industrie wird heutzutage erwartet, dass sie alle Prozesse in ihrer Wertschöpfungskette – von Produktentwicklung und -design über Betriebsabläufe und Lieferkettenoptimierung bis hin zur Einholung von Kundenfeedback – rationalisiert und optimiert, um auf rasant wachsende Anforderungen zeitnah reagieren zu können. Die Kategorie der digitalen Zwillinge ist breit gefächert und adressiert eine Vielzahl von Herausforderungen in den Bereichen Fertigung, Logistik und Transport.
Zu den Anforderungen, mit denen sich die Fertigungsbranche am häufigsten konfrontiert sieht und die von digitalen Zwillingen bewältigt werden, gehören die folgenden:
Die Industrie 4.0 und die darauf folgenden Bemühungen um eine intelligente Lieferkette haben erhebliche Fortschritte bei der betrieblichen Optimierung und beim Aufbau flexibler Lieferketten gemacht. Ohne die Technologie des digitalen Zwillings wären diese Behmühungen allerdings mit erheblichen Kosten verbunden gewesen. Stellen Sie sich einmal vor, welche Kosten anfallen würden, wenn man in einer Ölraffinerie die Prozessbedingungen für die Rohöldestillation ändern würde, um die Produktion von Diesel in der einen Woche und von Benzin in der nächsten Woche zu verbessern, um der veränderten Nachfrage gerecht zu werden und den maximalen wirtschaftlichen Nutzen sicherzustellen. Oder auch, wie man eine ganz einfache Lieferkette nachbilden kann, um das Risiko zu modellieren. Das Erstellen eines physischen Zwillings für eine Lieferkette ist weder finanziell noch technisch möglich.
Betrachten wir die Vorteile, die digitale Zwillinge für die Fertigungsbranche bieten:
